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Twitter und Politik – nicht nur heiße Luft! 17. Mai 2009

Posted by Sylvia Braun in twitter.
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Der Artikel in der Sonntags FAZ (140 Zeichen heiße Luft) vom 17. Mai veranlasst mich nun doch, meine Ansichten zu Twitter und Politik mal darzustellen. Ich bin, wie vermutlich der FAZ-Redaktuer auch, ein Nicht-Eingeborener des Netzes (d.h. ich weiß noch gut, wie man ohne dieses Medium überleben konnte) und war zunächst sehr skeptisch dem Konzept Twitter gegenüber.

Wie kam ich zu Twitter? Daran war TSGhessenspd schuld – der Fake des Twitter-Accounts von Thorsten Schäfer-Gümel im hessischen Kurzwahlkampf 2009. Das war witzig und lohnte der weiteren Verfolgung. Im Laufe der Zeit verfolgte ich dann immer mehr interessante Tweets und hatte meinen Spaß daran. Aber nicht nur das. Für die Bebobachtung von Stimmungsbildern, das Erhalten von neuen Informationen und natürlich nicht zuletzt die Möglichkeit jemand direkt seine Meinung sagen zu können, macht das Medium Twitter Sinn. Und hier liegt auch der Nutzen für die Politik und die Politiker.

Natürlich ist Twitter ein Medium, dass noch nicht von sehr vielen Menschen genutzt wird und auch hier gilt, wie bei vielen Web 2.0 Anwendungen, die Jungen sind hier natürlich in der Mehrheit. Als Politiker werde ich mit einem Infostand oder einem Flyer mehr Leute erreichen – noch. Es wird sich ändern, die Generation Internet die „digital natives“ werden älter und bringen ihre Art Informationen zu sammeln und sich so eine Meinung zu bilden mit in die breiten Wählerschichten. Und da ist jeder gut beraten, sich informiert zu halten und sich auszuprobieren.

Das hier nicht jeder mitmachen wird, ist ganz normal. Denn jeder Mensch hat nun mal unterschiedliche Interessen und Vorlieben. So wird man auch Twitter mögen und nutzen oder auch nicht. Augezwungenes Getwitter wird schnell entlarvt, wie gut am Fall Schäfer-Gümbel zu sehen ist. Als Wahlkampfmittel eingesetzt, durch die Mithilfe von Titanic über den Fake zum Erfolg in Sachen Bekanntheitsgrad, nach der Wahl Funkstille und dann Belanglosigkeiten, wo der Unterschied zwischen dem Original dem Fake nicht mehr wirklich zu erkennen ist. Deshalb finde ich es auch nicht negativ, dass es Politiker gibt, die sich das ansehen und dann nicht weitermachen, wenn es ihnen nicht zusagt. Außerdem darf man nicht verkennen, dass jemand der nicht mehr twittert, wohl aber doch Tweets regelmässig lesen kann.

Für die Streuung von Informationen und den Austausch mit dem Wähler halte ich Twitter für einen interessanten Kanal. Z.B. zu Parteitagen komme so Infos direkt und unmittelbar zu den Daheimgebliebenen. Niemand ist mehr auf einen SMS Infodienst eines Bekannten vor Ort angewiesen oder muss warten, wie die Informationen den klassischen Medien ins Programm passen. Noch dazu gibt es persönliche Eindrücke wieder und man hat das Gefühl irgendwie dabei zu sein. Dieses Gefühl Dabeizusein, das Gefühl Mitmachen zu können, das Gefühl mit der eigenen Meinung nicht allein im Universum zu sein – das ist der eigentliche Reiz von Twitter. Ich sehe z.B. den Eurovision Songcontest – viele Twitterer auch und geben ihre Kommentare ab – sehr unterhaltsam. Ich halte eine politische Entscheidung für falsch und finde schnell andere Gleichgesinnte – aber auch Argumente aus anderer Perspektive (z.B. zum Thema Internetzensur, Opel, etc.). Das kann ungemein interessant und weiterbildend sein. Auf jeden Fall ermöglich es, wenn man will, einen Blick über den Tellerrand (wenn man natürlich nur Gleichgesinnten folgt, entfällt dieser Aspekt).

Ein interessanter und gefährlicher Aspekt für Politiker ist aber auch, dass man die Persönlichkeit auch hinter den 140 Zeichen erkennen kann und so Sympathie oder Antipathie empfinden wird. Ein Effekt, der sich bei mir persönlich in vielen realen Begegnungen nach den virtuellen bestätigt hat. Deshalb gilt hier ganz besonders, man muss mögen was man macht, in der Politik und im Netz.  Ob sich Twitter halten und durchsetzten wird – wer weiß das schon. Jeder sollte sich sein eigenes Bild vom Nutzen dieses Mediums machen. Das hier nur heiße Luft verbreitet wird halte ich für eine sehr oberflächliche These, es kommt eben immer darauf an, was man macht und wie man es nutzt.

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