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Onlinewahlkampf 2009 29. September 2009

Posted by Sylvia Braun in Wahlkampf.
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Nun ist auch die letzte Wahl 2009 vorbei – Zeit für ein Fazit der Aktivitäten im und ums Netz.

Twitter
Am Beginn des Jahres war mit der Hessenwahl vielleicht schon der Höhepunkt des Onlinewahlkampfes erreicht, Thorsten Schäfer-Gümbel bzw. vielmehr Martin Sonneborn machten Twitter als Wahlkampftool interessant. Durch den Fake-Account von „TSG“ kamen viele zum ersten Mal zu Twitter und einige blieben hängen. So wurde Twitter zu einem der Themen im Onlinewahlkampf, vor allem da es Twitter später durch diverse Skandalchen (Bundespräsidentenwahl, Exitpoll-Veröffentlichung usw.) schaffte, von den etablierten Medien wahrgenommen zu werden. In einem Fall hat ein Tweet sogar zur Verschärfung einer Koalitionskrise geführt. Über Facebook und Co. wurde da viel weniger bis gar nicht berichtet. Twitter ist für mich der Shootingstar des Onlinewahlkampfes in Deutschland. Und auch das Medium mit dem größten Potenzial. Gesicherte Zahlen gibt es jedoch nicht, nur eine Studie von Nielsen über die deutschen Besuche auf Twitter.com – ob dies tatsächlich aussagekräftig ist, wage ich zu bezweifeln. Twitter ist ein Medium, auf dass man sich einlasse muss. Bei einem kurzen Besuch wird sich der Nutzen nicht erschließen. Und genau das ist das Problem.

Im Onlinewahlkampf 2009 kamen viele neue Twitteraccounts von Parteien und Politikern hinzu, manche als Fake, manche engagiert und interessant, manche lieblos und unpersönlich, manche einfach nur peinlich . Über die Plattform wahl.de erhält man darüber einen guten Überblick über den Bestand. Oft ist jedoch festzustellen, dass Twitter nur bis zur Wahl genutzt wird und man dann schnell damit aufhört. Es gibt aber auch zum Glück genug Gegenbeispiele. 

Netzwerke
Jede Partei setzte im Wahlkampf  auch auf die eigenen Communities. Ich bin da eigentlich kein Freund von – zu viele Netzwerke! Meiner Meinung nach kann man das alles auch ganz gut über allgemeine Communities organisieren und ist dabei auch für alle anderen ansprechbar. Die SPD hat z.B.  zu viele verschiedene Wahlkampf-Internetseiten am Start (Unterstützerseiten, Wahlcommunity etc.), das wurde wirklich unübersichtlich. Ich hatte mich beim Team Deutschland, MeineSPD und bei der Mitmacharena registriert, bei den Grünen scheiterte leider eine Anmeldung  wegen der technischen Probleme zum Start des Netzwerkes, ich hab es dann aber auch nicht mehr versucht. Vom Team Deutschland bekam ich regelmäßig Mails mit Infos zum Wahlkampf und nach der Wahl auch eine Mail von Angie „persönlich“. Die SPD hat mich mit Wahlkampfmails gar nicht behelligt, vermutlich weil ich „nur“ bei MeineSPD und nicht auf einer der zahlreichen anderen Seiten registriert war. Von der Mitmacharena bekam ich regelmäßig Tipps für den eigenen Wahlkampf, manche davon doch sehr albern (mit FDP-Badehose ins Freibad) und nach der Wahl kam ein Ein-Satz-Dankeschön des Geschäftsführeres.

Bei Facebook, den VZs und lokalen Netzwerken, wie wkw, ist in diesem Jahr die Zahl der Parteigruppen und Fanseiten explodiert, mal mehr oder weniger gut gepflegt. Ich halte hier die Außenwirkung für einen entscheidenden Punkt. Denn genau das habe ich nicht in den parteiinternen Communities, das ist wie ein Infostand auf einem Parteitag. Der Infostand in der Fußgängerzone bringt doch viel mehr. Und so sollte man auch die Aktivitäten in den allgemein zugänglichen Communities sehen.  

TV
Ein Wort auch zum Wahlkampf  im Fernsehen. Die Formate haben sich zwar kaum geändert, aber es wurde  manches interessanter, wenn man es mit Twitterbegleitung gesehen hat. So wurde sogar das lahme TV-Duell interessanter. Endlich konnte man Kommentare nicht nur dem Fernsehgerät entgegen rufen, nein, man konnte seine Sicht der Twitterwelt mitteilen, fand Gleichgesinnte oder lebhafte Diskussionen.

Ein paar Internet-trifft-Fernsehen Projekte gab es dann auch noch. Das ZDF etablierte die WahlimWeb, was an und für sich schon mal löblich ist. Über das Format an sich kann noch gestritten werden. Ich fände es z.B. schöner, wenn die Netzscouts in die Hauptsendung integriert wären und auf den Chat könnte ich eigentlich ganz verzichten. Richtig gut fand ich ein sehr verstecktes Format „Erst fragen, dann wählen“– wieder vom ZDF. Mit Steffen Seibert und Dunja Hayali klasse besetzt und vom Format wirklich richtungweisend. Die Zeit, die sich die Politiker hier nehmen mussten, das konzentrieren auf einen Kandidaten, das unmittelbare Feedback und die Nachfragen aus dem Netz und von anderen Locations, all das wirklich sehr erfrischend (unvergessen: Trittins Blick zum Lehrer-Vergleich) und informativ.  Mehr davon und bitte ins Hauptprogramm. Sat1 hat mit ihrem Format der Wahlarena auch ein interessantes Format zur Bundestagswahl am Start, mit Twittereinbindung und unmittelbarer Kommunikation vor, während und nach den Sendungen.

Was bleibt
Es bleibt nun zu hoffen, dass gut funktionierenden Strukturen in den Netzwerken erhalten bleiben und weitergenutzt werden. Das Fernsehen, allen voran das ZDF, sollte ebenfalls weiter gehen auf ihren neuen Wegen und dabei noch viel mutiger werden, was z.B. Sendeplatz und Sendezeit angeht. Und was mit Twitter wird – da werden wir die Entwicklung abwarten und auch darauf setzten müssen, dass nicht alle Politker das Bloggen und Twittern nur als Wahlkampfmittel eingesetzt haben. Denn nur wenn wir mehr am Leben und Tun unserer Politiker/Abgeordneten teilnehmen können (und da meine ich nicht den Kaffeekonsum), wird Politik wieder greifbarer. Das kann ein möglicher Weg gegen die Politik- und Politikerverdrossenheit sein, was dann hoffentlich wieder in einer höheren Wahlbeteiligung seinen Ausdruck finden wird.

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Der Tag danach – Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und Thüringen 31. August 2009

Posted by Sylvia Braun in Saarland, sachsen, Thüringen, Wahlkampf.
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Wie aktiv waren die Parteien am Wahlabend im Netz, wie sieht es am Tag danach aus?

Saarland
Die CDU dankt den Wählern auf der Startseite von Peter Müller– nix vom PMT über Twitter direkt nach der Wahl, erst am heutigen Morgen geht es weiter.  SPD Saar bringt zwei Tweets nach 18 Uhr – einmal Danke und einmal Fotos. Auf der Internetseite   ist der Slogan geändert „Danke, wir haben´s gemacht“. Heiko Mass  letzter Tweet ist jedoch einen Tag vor dem Wahltag. FDP Saar im Internet noch keine Veränderung.   Christoph Hartmann letzter Tweet ist der Wahlaufruf am Wahltag. B90/Die Grünen danken ihren Wählern auf der Wahlkampfseite. Mehrere Tweets von hier am Wahlabend. Auf der Wahlkampfseite der Linken noch keine Veränderung.

Sachsen
Bei der CDU Sachsen noch keine Veränderung auf den Internetseiten zu erkennen.  Die SPD Sachsen hat an ihrere Seite auch nicht geändert, der letzte Tweet ist vom 26.08.09, bei  Thomas Jurk vom 28.08.09. Die FDP hat auf  ihrere Internetseite das Ergebnis (mit pixeliger Danke-Grafik) und eine kurze Bewertung dazu online. Außerdem sind noch Bilder vom Wahlabend online. Letzter Tweet einen Tag vor der Wahl. Die Grünen haben auf ihrer Seite und der von Antje Hermenau das Video der „Danke“-Ansprache von der Wahlparty online. Zwei Tweets vom Wahlabend, Prgnose und Ergebnis. Die Linke hat eine große Grafik mit Danke-Text im Netz.

Thüringen 
Die CDU hat in ihren Kurzmeldungen (ein Twitterfeed) das Wahlergebnis online und hat den ganzen Abend die Ergebnisse der Wahlkreise getwittert. Sonst noch keine Veränderungen an der Seite.  Die SPD hat auf ihre Internetseite einen Danke-Text, drei Tweets gab es am Wahlabend. Die FDP hat über RSS einen Nachrichtenticker eingebunden und so aktuelle Meldungen zum Wahlausgang online. Es gab zahlreiche Tweets des Generalsekretärs Partick Kurth (und seines Teams) über den Verlauf des Wahlabends. Die Grünen haben eine Danke-Anzeige auf ihrer Wahlkampfseite, die Spitzenkandidatin Rothe-Beinlich hat in der Wahlnacht  einen Tweet abgesetzt. Die Linke hat ein Jubelbild vom Wahlabend online und hat am Wahlabend Ergebnisse, Stimmungen und Links getwittert.  Bodo Ramelow hat auch ein persönliches Statement online.

Meine Meinung:
Ich halte es für durchaus zumutbar, spätestens am morgen nach einer Wahl die Wahlergebnisse online zu haben, schön wären noch eine Stellungnahme und ein Dankeschön. Das war hier eher die Ausnahme.  Schade fand ich auch, dass man von den meisten Polit-Twitterern am Wahlabend nichts lesen konnte. Dabei wäre doch gerade das spannend gewesen. Aber offensichtlich ist der Follower nur vor 18 Uhr noch interessant – bis zur nächsten Wahl.

Stand 31.08.2009, 12.00 Uhr

Update 23.09.09
Fast alle nutzen Twitter regelmäßig oder wenigstens ab und an weiter, gerade auch für Infos zur Bundestagswahl und/oder den Koalitionsverhandlungen. Eingestellt haben das twittern allerdings Heiko Maas und die SPD Sachsen, Thomas Jurk hat seinen Twitter Account gelöscht.

Mein Fazit zum Onlinewahlkampf #sst 28. August 2009

Posted by Sylvia Braun in Saarland, sachsen, Thüringen, Wahlkampf.
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Für Homopoliticus.de habe ich meine Beobachtungen zu den Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und Thüringen zusammengefasst. Hier das dazugehörige Fazit:

Online-Wahlkampf bedeutet nicht die Anzahl der Unterstützer in den verschiedenen Netzwerken zu zählen. Es ist der Wille zur Kommunikation mit dem Wähler. Die Netzwerke können das nur erleichtern. Noch ist der Online-Wahlkampf über den Schwerpunkt des eingleisigen Informierens nicht wirklich hinaus gekommen. Eine Kommunikation findet in den seltensten Fällen statt, aus Angst vor Kontrollverlust lässt man zum Beispiel die Kommentarfunktion in einem Blog dann doch lieber deaktiviert. Wie man allerdings auch am Beispiel des Blogs von Bodo Ramelow an den doch recht dünn gesäten Kommentaren sehen kann, ist der Bedarf beim Wähler zur Kommunikation und der damit verbundenen öffentlichen Stellungnahme auch nicht besonders groß.

Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass es sich gerade bei diesen drei Bundesländern um Länder handelt, die in der Nonliner-Studie in fast allen Bereichen auf den hinteren Plätzen rangieren, d.h. gerade hier die Nutzerzahlen von Online-Angeboten niedriger als in anderen Bundesländern sind.  Doch wie uns die vermittelte Nähe durch das Teilhaben am Leben der Kandidaten in unserer  Wahlentscheidung beeinflussen kann, ist schwer messbar. So kann mir ein Kandidat sympathischer oder unsympathischer werden, wenn ich z.B. über Twitter ein wenig an seinem Leben teilnehmen kann. Er wird in den aller meisten Fällen menschlicher werden und macht so eine pauschale Ablehnung wegen eines Parteibuches nicht so einfach. Einen ähnlichen Effekt kann ein funktionierendes Team (ein Weg, den die CDU offensichtlich gerne – mit unterschiedlichem Erfolg – geht) haben, dessen Engagement für den Kandidaten beeindrucken kann und diesen so besser aussehen lässt.

Einen Aha-Effekt wie ansatzweise im hessischen Onlinewahlkampf hat in diesen drei Wahlkämpfen auf jeden Fall gefehlt. Die Satire auf das Getwitter von Thorsten Schäfer-Gümbel durch Martin Sonneborn war eben diesbezüglich ein Glücksfall (oder eine geschickte Strategie??). Eine Aktion dieser Art hätte dem Onlinewahlkampf vielleicht noch einen Schub geben können, beeinflussen wird er auch diesmal wohl wieder kaum das Wahlergebnis.

Endspurt Online – Landtagswahl in Sachsen 17. August 2009

Posted by Sylvia Braun in Landtagswahl, sachsen, Wahlkampf.
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Die CDU  hat ihre Internetpräsenz www.cdu-sachsen.de komplett erneuert – was ja auch dringend nötig war. Die Idee mit der Wahlstrasse ist nicht schlecht, aber wohl eher etwas für erfahrere Nutzer mit hoher Rechnerkapazität. Der Spitzenkandidat (Der Sachse) hat ebenfalls eine erneuerte Seite, im gleichen Design der Parteiseite. Außer Links zu Youtube und Flickr finden sich keine Links zu sozialen Netzwerken. Mir fällt auf,  das bei einem Klick auf einer Rubrik sich gleich eine neue Seite öffnet, dabei wollte ich doch nur auf der Seite navigieren. So hat man ganz schnell viele geöffnete Fenster, das ist ärgerlich und nervt.  Unter „Mitreden“ findet sich eine Auswahl an Themen zu denen man Antworten kann und Anregungen geben kann. Nicht schlecht, leider fehlt mir hier die Transparenz. Wie wurde von anderen Nutzern abgestimmt, welche Anregungen gibt es, wie sind die Reaktionen darauf.  Auf der Seite von  Tillich gibt es auch die Rubrik „Mitreden“, doch hier wird auf Pressemitteilungen ohne Kommentarfunktion verwiesen. Die Rubrik „Mitmachen“ verlinkt zur Seite www.sachsenstark.de, eine Unterstützerinitative. Hier gibt es u.a. eine Unterstützerliste mit derzeit knapp 600 angemeldeten Nutzern. Prinzipiell haben die Seiten der CDU Sachsen einige gute Ansätze zur Kommunikation mit dem Nutzer, leider sind viele Sachen handwerklich nicht optimal oder auch einfach schlecht umgesetzt.  Die Stuktur der Seiten verwirrt, besonders durch die ständig neu geöffneten Fenster und die gleich benannten Rubriken, die aber oft ein anderes Ziel oder Inhalt haben.

Die SPD in Sachsen unter  www.spdsachsen.de hat es sich mit ihrem Slogan „Anpacken. Für Sachsen“ ziemlich einfach gemacht, der Slogan zur Bundestagswahl einfach regionalisiert. Die Seite wurde offensichtlich mit einem SPD-Baukastenssystem gemacht und ist dadurch recht übersichtlich geworden. Der Youtube Kanal ist auf der Startseite eingebunden, die restlichen Verlinkungen finden sich erst unter „Mitmachen“ bei „Vernetzen Sie sich“ – vielleicht ein wenig zu versteckt? Bei genauerem Hinsehen sehe ich dann doch die Verlinkungen zu Twitter, facebook und Co. am unteren Ende der unteren Menüleiste – leider scrollt man da meist nur selten hin. Das hat www.thomas-jurk.de dann in Bezug auf Twitter durch die direkte Verlinkung etwas besser gelöst. Eine Unterstützerliste  gibt es auch, eine Zahl über die aktuellen Mitglieder wird (vermutlich aus gutem Grund, ich zähle aktuell 16 Unterstützer) geschwiegen.

Die FDP www.fdp-sachsen.de  will  „Stark für Sachsen“ sein. Die Seite hat eine Seitenleiste, worüber Twitter und Youtube eingebunden sind. In der unteren Leiste befinden sich die Social Bookmarks zu Facebook und Co. Eigentlich nicht schlecht gelöst. Unter „Mitmachen“ sind dann allerdings die Informationen und Möglichkeiten eher dünn. Der Spitzenkandidat hat eine eigene Rubrik, einen eigenständigen Auftritt hat er nicht (www.holger-zastrow.de wird auf die Startseite www.fdp-sachsen.de weitergeleitet).

B90/Die Grünen unter www.gruene-sachsen.de  beanspruchen mit „Wenn du was ändern willst“ mal wieder einen typischen Oppositionsspruch für sich. Die Seite es übersichtlich in klassischem grünen Design. Unter Wahlen finden sich interssante Aktionen. Man wird aufgefordert, selbst eine Kampagne zu starten und davon ein Bild zu veröffentlichen. Über eine interaktive Karte kann man sich diese Fotos ansehen. Das ist witzig. Youtube, Twitter und Facebook sind selbstverständlich eingebunden. Und man hat die Möglichkeit ein Plakat zu spenden.  Die Spitzenkandidatin Antje Hermenau hat auf ihrer Seite zur Wahl www.antje-hermenau.de/landtagswahl-2009.html nicht ganz so viele interaktive Elemente, aber sie hat schöne Verlinkungen („Antje bei Facebook unterstützen“) zu sozialen Netzwerken in der unteren Leiste.

Die Linke in Sachsen will unter www.dielinke-in-sachsen.de  „Der eigenen Kraft vertrauen“. Unter „mitmachen“ darf man allerdings nur in die Partei eintreten. Außer einem eingebundenen Twitterfeed finden sich keine weiteren Hinweise auf die Linke Sachsen in den sozialen Netzwerken. Auf den Spitzenkandidat wird mit einem Wahlplakat verlinkt auf http://www.andre-hahn.eu ,  er hat hier (neben den üblichen Infos) ein Blog , allerdings ohne Kommentarfunktion. Ansonsten gibt es hier keine Twittereinbindung und ebenfalls keine Hinweise zu sozialen Netzwerken.

Stell dir vor es ist Europawahl und keiner merkt es… 26. April 2009

Posted by Sylvia Braun in europawahl, Wahlkampf, Website.
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Noch 6 Wochen bis zur Europawahl, natürlich ein Grund sich mal die Europakampagnen der Parteien im Netz anzusehen. Wie an der Überschrift zu sehen, ein eher dürftiges Bild.

Die CDU hat auf der Startseite von cdu.de  einen zentrales Modul mit dem Europawahlslogan, beim Anklicken wir aber nur ein pdf Dokument geöffnet – das Europamanifest. Aha! Das wollte ich aber gar nicht lesen. Also auf die Seite mit der klassichen Navigation, unter Themen – Wahlen werde ich fündig. Es gibt zwei Links, einen zur Europawahlseite des Europäischen Parlamentes und einen Link zur cdu-csu-ep.de, der Seite der CDU/CSU Gruppe im Euroäischen Parlament. Hier sind auch wenig Infos zur Wahl zu finden, von Interaktivität ganz zu schweigen. Soweit, so traurig.

Die SPD hat auch auf  ihrem Portal spd.de Europa als Themenblock.  Hier kann man sich durchblättern und findet neben Europa-Pressemitteilungen  einen Verweis auf die neue Internetseite des Spitzenkandidaten Martin Schulz, einen Link zur Übersicht aller Europawahl-Kandidaten und das Europa-Wahlmanifest.  Auf wahlkampf09.de konnte ich kaum Europawahl-Aktivitäten feststellen, mit Ausnahme der Vorstellung der Plakat-Kampagne. Dafür auf spd-europa.de, der Seite der SPD-Gruppe im Europäischen Parlament. Hier wird wenigsten getwittert und es gibt Infos zur Wahl. Allerdings finde ich den Link zu wahlkampf09.de als Kampagnen-Seite zur Europawahl etwas unglücklich, da hier der Bundestagswahlkampf ganz offensichtlich das zentrale Thema ist.

Die FDP verliert auf ihrem Portal fdp.de auch kein Wort zur Europawahl. Der kleine Link „Europa“ oben rechts führt nur  zur Seite der FDP-Gruppe im EP, auch hier kein Hinweis auf Wahlkampf. Die angepriesene Wahlkampfseite in einem Modul ist nur ein Link zur Mitmacharena. Dabei hat die FDP als einzige Partei eine eigene Wahlkampfseite zur Europawahl fdp-fuer-europa.de – verlinkt ist das aber nur richtig schön auf der Seite des Bundesverbandes. Die Europawahlseite ist optisch ansprechend, die Interaktivität beschränkt sich aber auf einen Link zur Mitmacharena.

Die Grünen haben auf gruene.de dem Thema Europa und der Europawahl neben den allgemeinen Themen und der Partei einen gleichberechtigten Platz geschaffen. Es werden die Spitzenkanndidaten vorgestellt, Links zu facebook und (zu?) viele Videos. In diesem Zusammhang fällt mir noch auf, dass unter www.grüne.de noch die alte Seite der Grünen zu finden ist, mit einem Hinweis auf das neue Grüne – warum wurde das nicht gleich umgeleitet???

Die Linke hat unter die-linke.de die Europawahl als Themenkomplex auf die Startseite gesetzt. Trotzdem gewinne ich den Eindruck, dass hier die üblichen Pressemitteilungen verkauft werden, egal on Europathema oder nicht.  Ansonsten findet man hier die weiteren Infos zu Wahlprogramm und Kandidaten.

Grüne und FPD (sofern man denn den Link gefunden hat)  haben der Europawahl den gebührenden Raum eingeräumt. Doch ingesamt ist das Bild recht dürftig. Mit solch fehlender Begeisterung kann man sicher nicht erwarten, viele Menschen überhaupt zum Wählen zu motivieren. Offensichtlich sind nicht nur die Bürger europamüde…

OB Wahlkampf in Hanau? 6. April 2009

Posted by Sylvia Braun in Hessen, Wahlkampf.
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Bei meiner Fahrt durch Hanau (Hessen, Main-Kinzig-Kreis) fiel mit ein Plakat von Joachim Dassinger auf, der Herrausforderer der CDU gegen den amtierenden OB von der SPD Claus Kamnisky. Das Plakat ist nicht besonders hübsch, sehr altbacken und kein Hingucker. Es zeigt den Kandidaten vor einem Hanauer Motiv, dem Schloß Phillipsruhe – naja… Rechts ist in kleiner Schrift eine horizontale Schrift auszumachen – wohl eine Internetseite? Leider nicht zu erkennen.

Zuhause also gleich mal Herrn Dassinger gegoggelt und als erster Treffer kommt…ein grüner Blog aus Hanau www.stadtgruen-hanau.de/kennen-sie-joachim-dassinger.html – schon mal sehr amüsant. Als ich händisch http://www.joachim-dassinger.de eingebe, komme ich wieder auf die gleiche Seite mit den Suchergebnissen – gibt es diese Seite tatsächlich nicht??? Nochmal versuchen, evtl. ein Tippfehler? Nein, die Seite gibt es nicht und die DeNic offenbart, diese Domain ist nicht registriert. Eigentlich unfassbar.

Also gehe ich den Weg über die Seite der CDU Hanau und endlich gibt es einen Hinweis auf www.dassinger-fuer-hanau.de – aha! Leider kommt ich damit nur zu einer Unterseite der CDU Hanau Seite mit wenig interessanten Infos zum Kandidaten, von Interaktivität und Web 2.0 wollen wir ganr nicht reden.

Das alles erweckt den Eindruck, dass hier gar nicht ernsthaft Wahlkampf gemacht wird, sondern sich nur ein Zählkandidat auf ein Plakat drucken lässt, um irgendwann mal einen dollen Posten ergattern zu können.

So angefüttert musste ich natürlich auch mal nach dem aktuellen OB im Netz suchen, unter www.claus-kaminsky.de wurde ich dann auch direkt und ohne Umwege fündig. Auf den ersten Blick etwas ansprechender, wobei mir die Gestaltung nicht wirklich gefällt. Die abgesetzten Module sind zu abgesetzt von den Inhalten, aber das ist Geschmacksache. Die Infos sind auch hier recht dünn, besonders lustig ist der Satz im Lebenslauf  „Bürgermeister der Stadt Hanau (16.10.1995-16.11.2003), seitdem Oberbürgermeister“. Der Insider weiß, dass da eine interessante Geschichte hinter steckt, klar kann man das hier nicht weiter ausbreiten, aber dieser Satz ist wohl etwas sehr dünn. Positiv fällt aber auf, dass er auf das in Hessen weit verbreitete Netzwerk wer-kennt-wen.de verweist, wo er sich mit bisher über 3000 Bürgern vernetzt hat – das ist doch schon mal ein Anfang.  Auch macht er auf seiner wkw Seite darauf aufmerksam, dass er wenig Zeit für deren intensive Pflege und die Beantwortung von Nachrichten hat, das ist verständlich und wirkt ehrlich. Die angebotenen direkte Kontaktmöglichkeit über seine angegebene Email-Adresse dürfte zwar auch in seinem Vorzimmer laden, was aber sicher nicht negativ zu sehen ist. Ob Herr Caminsky aber in dem auf seiner Internetseite angeboteten Chat  tatsächlich mal anzutreffen ist? Bei einem Test war ich da ziemlich allein….und zwar ganz allein.

Alles in allem ein ganz trauriges Bild beim CDU Kandidat- da fragt man sich wirklich, ob er Wahlkampf machen will oder einfach nur schlecht beraten wurde. Beim Amtsinhaber ist eine gewisse Selbstsicherheit zu bemerken, dass er trotzdem das Web 2.0 nicht ganz außen vorlässt, ist für mich sehr positiv zu bewerten. Mal sehen, ob sich in den nächsten Wochen noch etwas tut.