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Onlinewahlkampf 2009 29. September 2009

Posted by Sylvia Braun in Wahlkampf.
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Nun ist auch die letzte Wahl 2009 vorbei – Zeit für ein Fazit der Aktivitäten im und ums Netz.

Twitter
Am Beginn des Jahres war mit der Hessenwahl vielleicht schon der Höhepunkt des Onlinewahlkampfes erreicht, Thorsten Schäfer-Gümbel bzw. vielmehr Martin Sonneborn machten Twitter als Wahlkampftool interessant. Durch den Fake-Account von „TSG“ kamen viele zum ersten Mal zu Twitter und einige blieben hängen. So wurde Twitter zu einem der Themen im Onlinewahlkampf, vor allem da es Twitter später durch diverse Skandalchen (Bundespräsidentenwahl, Exitpoll-Veröffentlichung usw.) schaffte, von den etablierten Medien wahrgenommen zu werden. In einem Fall hat ein Tweet sogar zur Verschärfung einer Koalitionskrise geführt. Über Facebook und Co. wurde da viel weniger bis gar nicht berichtet. Twitter ist für mich der Shootingstar des Onlinewahlkampfes in Deutschland. Und auch das Medium mit dem größten Potenzial. Gesicherte Zahlen gibt es jedoch nicht, nur eine Studie von Nielsen über die deutschen Besuche auf Twitter.com – ob dies tatsächlich aussagekräftig ist, wage ich zu bezweifeln. Twitter ist ein Medium, auf dass man sich einlasse muss. Bei einem kurzen Besuch wird sich der Nutzen nicht erschließen. Und genau das ist das Problem.

Im Onlinewahlkampf 2009 kamen viele neue Twitteraccounts von Parteien und Politikern hinzu, manche als Fake, manche engagiert und interessant, manche lieblos und unpersönlich, manche einfach nur peinlich . Über die Plattform wahl.de erhält man darüber einen guten Überblick über den Bestand. Oft ist jedoch festzustellen, dass Twitter nur bis zur Wahl genutzt wird und man dann schnell damit aufhört. Es gibt aber auch zum Glück genug Gegenbeispiele. 

Netzwerke
Jede Partei setzte im Wahlkampf  auch auf die eigenen Communities. Ich bin da eigentlich kein Freund von – zu viele Netzwerke! Meiner Meinung nach kann man das alles auch ganz gut über allgemeine Communities organisieren und ist dabei auch für alle anderen ansprechbar. Die SPD hat z.B.  zu viele verschiedene Wahlkampf-Internetseiten am Start (Unterstützerseiten, Wahlcommunity etc.), das wurde wirklich unübersichtlich. Ich hatte mich beim Team Deutschland, MeineSPD und bei der Mitmacharena registriert, bei den Grünen scheiterte leider eine Anmeldung  wegen der technischen Probleme zum Start des Netzwerkes, ich hab es dann aber auch nicht mehr versucht. Vom Team Deutschland bekam ich regelmäßig Mails mit Infos zum Wahlkampf und nach der Wahl auch eine Mail von Angie „persönlich“. Die SPD hat mich mit Wahlkampfmails gar nicht behelligt, vermutlich weil ich „nur“ bei MeineSPD und nicht auf einer der zahlreichen anderen Seiten registriert war. Von der Mitmacharena bekam ich regelmäßig Tipps für den eigenen Wahlkampf, manche davon doch sehr albern (mit FDP-Badehose ins Freibad) und nach der Wahl kam ein Ein-Satz-Dankeschön des Geschäftsführeres.

Bei Facebook, den VZs und lokalen Netzwerken, wie wkw, ist in diesem Jahr die Zahl der Parteigruppen und Fanseiten explodiert, mal mehr oder weniger gut gepflegt. Ich halte hier die Außenwirkung für einen entscheidenden Punkt. Denn genau das habe ich nicht in den parteiinternen Communities, das ist wie ein Infostand auf einem Parteitag. Der Infostand in der Fußgängerzone bringt doch viel mehr. Und so sollte man auch die Aktivitäten in den allgemein zugänglichen Communities sehen.  

TV
Ein Wort auch zum Wahlkampf  im Fernsehen. Die Formate haben sich zwar kaum geändert, aber es wurde  manches interessanter, wenn man es mit Twitterbegleitung gesehen hat. So wurde sogar das lahme TV-Duell interessanter. Endlich konnte man Kommentare nicht nur dem Fernsehgerät entgegen rufen, nein, man konnte seine Sicht der Twitterwelt mitteilen, fand Gleichgesinnte oder lebhafte Diskussionen.

Ein paar Internet-trifft-Fernsehen Projekte gab es dann auch noch. Das ZDF etablierte die WahlimWeb, was an und für sich schon mal löblich ist. Über das Format an sich kann noch gestritten werden. Ich fände es z.B. schöner, wenn die Netzscouts in die Hauptsendung integriert wären und auf den Chat könnte ich eigentlich ganz verzichten. Richtig gut fand ich ein sehr verstecktes Format „Erst fragen, dann wählen“– wieder vom ZDF. Mit Steffen Seibert und Dunja Hayali klasse besetzt und vom Format wirklich richtungweisend. Die Zeit, die sich die Politiker hier nehmen mussten, das konzentrieren auf einen Kandidaten, das unmittelbare Feedback und die Nachfragen aus dem Netz und von anderen Locations, all das wirklich sehr erfrischend (unvergessen: Trittins Blick zum Lehrer-Vergleich) und informativ.  Mehr davon und bitte ins Hauptprogramm. Sat1 hat mit ihrem Format der Wahlarena auch ein interessantes Format zur Bundestagswahl am Start, mit Twittereinbindung und unmittelbarer Kommunikation vor, während und nach den Sendungen.

Was bleibt
Es bleibt nun zu hoffen, dass gut funktionierenden Strukturen in den Netzwerken erhalten bleiben und weitergenutzt werden. Das Fernsehen, allen voran das ZDF, sollte ebenfalls weiter gehen auf ihren neuen Wegen und dabei noch viel mutiger werden, was z.B. Sendeplatz und Sendezeit angeht. Und was mit Twitter wird – da werden wir die Entwicklung abwarten und auch darauf setzten müssen, dass nicht alle Politker das Bloggen und Twittern nur als Wahlkampfmittel eingesetzt haben. Denn nur wenn wir mehr am Leben und Tun unserer Politiker/Abgeordneten teilnehmen können (und da meine ich nicht den Kaffeekonsum), wird Politik wieder greifbarer. Das kann ein möglicher Weg gegen die Politik- und Politikerverdrossenheit sein, was dann hoffentlich wieder in einer höheren Wahlbeteiligung seinen Ausdruck finden wird.

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Twitternutzung und die Landtagswahlen Brandenburg und Schleswig-Holstein 23. September 2009

Posted by Sylvia Braun in Landtagswahl, twitter.
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Am Tag der Bundestagswahl wird auch in zwei Bundesländern der Landtag gewählt. Ich habe mir diesmal ausschließlich die Twitternutzung der Parteien/Kandidaten mal genauer angesehen und will vor allem auch nach der Wahl beobachten, wie das weiter genutzt wird. Dabei habe ich die Internetseiten der Parteien besucht und nach offensichtlichen Hinweisen auf Twitternutzung durch Partei oder Spitzenkandidaten gesucht. Deshalb wird es sicherlich weitere Kandidaten bei den Parteien geben, die auch Twitter nutzen. Berücksichtigen werde ich aber nur die Twitterer, die auch beim ersten Hinsehen auf den Partei- oder Kandidatenseiten direkt zu erkennen waren.

Brandenburg
Die CDU Brandenburg  nutzt Twitter nicht, es gibt eine Verlinkung zu @csu_news, der Twitteraccount der Bundespartei. Die SPD Brandenburg twittert seit dem 09.02.09 als @Ostkurve und hat aktuell 385 Follower. Es werden Termine, Veranstaltungsberichte und Pressemitteilungen verlinkt (22 Tweets).  Die FDP Brandenburg lässt ihren Spitzenkandidaten Hans-Peter Goetz @goetzhp  twittern, hat allerdings wenig Follower (30) – da er erst seit dem 01.08.09 am zwitschern ist. Er macht dies hauptsächlich als persönliche Statements und verzichtet auf weitere Verlinkungen (96 Tweets).  B90/Grüne in Brandenburg twittern seit dem 15.07.09  unter  @gruenebbg (116 Follower) und verlinken Pressemitteilungen, Termine und Aktionen (112 Tweets). Die Linke Brandenburg nutzt kein Twitter, lediglich Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser erwähnt Twitter, verlinkt aber nicht, bzw. ist dann wohl doch noch dort aktiv.

Schleswig-Holstein
Bei der CDU-SH ist keine Twitternutzung erkennbar. Was vermutlich auch nicht verwunderlich ist, da ja der Polittwitterer schlechthin Ralf Stegner von der SPD SH  ist, der schon seit 16.10.08 auf Twitter unter @ralf_stegner zu finden ist und mit 2192 Followern und 3282 Tweets auf diesem Gebiet schwer zu schlagen sein dürfte. Stegner ist direkt, provozierend (Koalitionskrise durch einen Tweet ins Rollen gebracht) und dialogbereit, wenn es ihm passt. Die FDP SH ist erst seit dem 14.08.09 unter @fdp_sh bei Twitter aktiv (136 Follower) und verlinkt hier Termine und Pressemitteilungen (101 Tweets). B90/ Grüne twittern unter @gruene_sh auch schon recht lange, seit dem 24.11.08, haben aber nur 402 Follower. Die Tweets sind Terminankündigungen, Hinweise auf Aktionen und Links zu Pressemitteilungen. Das ganze allerdings etwas persönlicher gehalten, als bei anderen Partei-Twitterern. Die Linke SH nutzt Twitter nicht, es wird verlinkt zum Tweet der Bundestagsfraktion.

Mein Fazit
Mal wieder ein sehr gemischtes Bild. Besonders interessant dabei ist natürlich Schleswig-Holstein, da hier mit dem SPD Spitzenkandidaten sehr persönlich getwittert wird (es wäre interessant zu sehen, ob er das als MP auch durchhalten könnte). Über das Partei Gezwitscher kann man geteilter Meinung sein. Wenn man Twitter als weiteren Nachrichtenkanal nutzen will, dann sind diese Tweets zur Informationsverbreitung jedoch ein prima Instrument. Unterhaltsamer sind natürlich die persönlichen Tweets, keine Frage, dafür muss ein Kandidat aber auch der Typ sein. Ist er das nicht, dann ist das Partei-Gezwitscher sicherlich eine gute Alternative und sicher besser, als diese Kommunikationsform ganz außer Acht zu lassen.

Update am Wahlabend, 22.45 Uhr:
Keiner der oben genannten Twitterer hat nach 18 Uhr einen Tweet von sich gegeben.

Und am Morgen danach? Stand  9.30 Uhr
Immer noch Funkstille auf allen Kanälen.

Update 28.09.09, 21.00 Uhr
Ralf Stegner hat endlich wieder Worte gefunden, am frühen Nachmittag lässt er seinen Unmut los und bedankt sich bei  Wählern und Helfern. Hans-Peter Goetz geht gar nicht auf die Wahl ein, sondern twittert kurz über seine Fahrten zu den diversen Sitzungen. Ansonsten weiter keine Änderung.